Nach(t)kritik von Thomas Lochte, 06.10.2012

Michael Hornstein Trio: Forelle "blau"


Michael Hornstein macht nicht viele Worte, Er lässt Musik sprechen und allenfalls ein paar gesampelte Sätze vom Computer einspielen, die sich wie ein persönliches Statement anhören: "We are living in a world of words, spend so much time surrounded by words . . . but there´s so much more to... " Und schon setzt das Saxophon ein und bringt das Gesprochene sanft zum Schweigen. Für den ersten Auftritt des "Michael Hornstein Trio" im bosco seit 2009 hatten die Musiker die Lounge anstelle des großen Saals bevorzugt, und auf diese Weise entstand über das Klangerlebnis hinaus auch noch eine gewisse räumliche Verdichtung, um nicht zu sagen "Intimität". Doch das Heimspiel des Gautingers Hornstein und seiner Mitstreiter Matthias Bublath (Keyboard) und Walter Bittner (Drum & Base) war alles andere als heimelig, nahm man die Zuhörer vom ersten Ton an doch gleich wieder mit auf neue, aufregende Reisen, zu vermeintlich bekannten und doch ganz anders "bevölkerten" Territorien der Musikalität: Schuberts "Forelle" im groovenden Reggae-Takt - wann hat man je zuvor ein derart munteres Fischlein plätschern hören? Forelle "blau", könnte man sagen, wäre da nicht dieses akkurate, durchdachte Zusammenwirken der Instrumente. Die Fantasie bekommt sofort Flügel, wenn sich aus den Trümmern des nächsten Stückes plötzlich ein dunkles "Summertime" erhebt, das seinerseits letztlich alles Erdenschwere abstreift und das Wesentliche herausschält. Nicht nur hier leistet der Drum-Computer als "vierter Mann" ganz Erstaunliches: Als Rhythmusteppich für die aufsattelnden, feinen Aktionen Walter Bittners, als Tango-Stichwort für frisch rasierte Jazz-Klassiker oder als treibende Groove-Maschine für Mozarts Konzert op.40 im Latino-Gewand: Wenn das die Wiener Hofreitschule und ihre Pferde zu hören kriegen! Michael Hornstein hat für seine herrlichen Grenzüberschreitungen sogar den Kanon der Romantik aufs Korn genommen. Hat Schumann entstaubt, Smetanas gemächlich dahinfließende "Moldau" mit kernigem Geröll angereichert und doch deutlich flotter flussabwärts geschickt - und ehe man sich´s als Zuhörer versieht, sitzt man mit dem kosmopolitischen Trio im entspannten "Café del mar". Mit Easy Listening hat all dies freilich nichts gemein - Hornsteins Spiel ist wie musikalischer Pointillismus, verübt an bekannten Bildern, die man durchaus auch mal neu deuten oder gar frisch übermalen darf. Unwirklich schöne Moll-Harmonien entstehen dabei, aber auch hochspannende, nie gehörte Arrangements, die sämtlich glücken, ohne Verrat an den jeweiligen Vorlagen zu begehen. Matthias Bublath hat bei diesen Abenteuerreisen eigentlich den schwersten Stand, doch er schafft es am Keyboard noch in den innigsten Momenten, der Gefahr des Procol-Harum-Pathos haarscharf zu entgehen. Und Michael Hornstein, der Wortkarge? Er hat vielleicht eine Hassliebe zu seinem Instrument, dem launischen Saxophon, das doch alles auszudrücken vermag, was Gefühle bergen. Im bosco lässt er es Streicheleinheiten verteilen, er lässt es aber auch mal "rumzicken", Er will jedenfalls nicht, dass es sich "verkopft" anhört. Er kennt seinen Miles Davis und vermutlich auch seinen Grover Washington junior, unser aller Mozart sowieso und den Smetana und den "Herrn Salsa" und die Afro-Beats von nebenan. Und er zieht den Hut vor jedem Meister und jeder Musiktradition - so wie sie es die Zitierten wohl auch vor ihm täten, wenn sie könnten. Weil er sie alle an einen Tisch gebracht hat, in einer Lounge in Gauting an einem traumhaften Konzert-Herbstabend.

Thomas Locht, 6.10.2012

 

Kniefall mit Saxofon

Michael Hornstein begeistert das Publikum bei "Jazz am See" 

Feldafing - Aus der Masse der ernsten, in sich versunkenen und ein wenig weltabgewandt wirkenden Jazzer ragt Michael Hornstein hervor. "Vergnügt", das ist wohl die passende Beschreibung für den Saxofonisten, der gemeinsam mit Walter Lang (Piano) und Walter Bittner (Schlagzeug) im Rahmen von "Jazz am See" in der Feldafinger Gemeindebücherei auftrat. Michael Hornstein lächelt bevor er das Mundstück seines Saxofons mit den Lippen umschließt, er lächelt anschließend, wenn er das Sax wieder absetzt

Dem Trio macht es Spaß, abgenudelte Ohrwürmer neu zu beleben und wenn ihm ein besonders guter Part gelungen ist und das Publikum jubelt, dann reckt er die Faust gen Himmel und lacht. Wie er auf den Barhocker klettert, die Beine mit den Turnschuhen zum Anzug kurz übereinanderschlägt, dann wieder runtersteigt, über die Bühne schreitet, zwischen dem Publikum durch den Raum wandert und am Ende sogar auf die Knie fällt und spielt - das macht den Saxofonvirtuosen, Jahrgang 1962, authentisch und sehr sympathisch.

Das Michael Hornstein Trio baut keine Wand zwischen Publikum und Musikern auf. Musik macht Spaß - das ist die Message. Spaß macht dem Musiker auch das Spiel mit den Noten alter Meister und den Kultstandards. Ein Bestehen auf dem Status Quo, Selbstbegrenzung und braves Nachspielen, sind dem Hornstein-Trio fremd. Im Gegenteil: Für Hornstein ist es eine Herausforderung die Ohrwürmer neu zu beleben. Die Stücke quasi von ihrem Podest herabzuholen und aufzuhübschen. Egal, ob es sich um Händels Passacaglia oder den Kanon in D von Pachelbel handelt. Ein paar Akkorde reichen aus, um den "das kenne ich doch" Effekt im Publikum zu erzielen. Eine bekannte Tonfolge erklingt, ein harmonischer Dialog zwischen Piano und Saxofon entspinnt sich. Doch dann entfernen sich Piano und Saxofon von den bekannten Klängen, setzen eigene Ideen um, vermischen alt mit neu, reißen Melodien auseinander, scheinen sie unterstützt von elektronischen Effekten und Schlagzeug in die Luft zu schleudern, bis sie umkleidet von modernen Grooves und Loops, Funky- und House- Elementen als neue Originals sanft auf das Publikum hinabrieseln. Dabei setzt Hornstein die Elektronik sparsam ein. Ein Wind pfeift zur Eigenkomposition "Westend" (gemeint ist der Münchner Stadtteil), Walter Lang dreht dazu an den Reglern seines E-Pianos, es hallt, pfeift und quietscht gerade so, dass die Effekte die Melodie nicht übertönen, sondern unterstützen und gerade so, dass diese Ausflüge in unbekannte Hörgewohnheiten das Publikum zwar zum Staunen bringen, aber nicht überfordern.

Grundlage vieler Stücke sind Standards wie "Summertime", "Take Five" oder das "Pink-Panther-Theme", erkennbar zwar, aber doch völlig anders. "Ich habe nach oben geschaut und er war blau, ganz schön blau, der Mond... und seit ich die Stimme gehört hab, ist er golden... ", lapidar, ohne Emotion spricht Hornstein diese Worte, ein Sprechgesang, eingerahmt von Schlagzeug und sparsamen Klavierakkorden, es sind einfache und dennoch rätselhafte Worte, was sie genau bedeuten, das erzählt Hornstein dann mit seinem Saxophon. Mit unglaublicher Klangbreite röhren, schluchzen, locken und schmeicheln die Töne: "Blue Moon" - was für eine Coverversion des guten, alten Klassikers!

 

Patrizia Steipe, SZ am 19.3.2012

 

Trio Summertime Opium wärmt Herzen der Jazzfans


In bester musikalischer Gesellschaft eroberte Michael Hornstein die Werkstattbühne und Jazzseelen in Wackys Schreinerei. Hornstein am alt sax, Walter Lang an den keyboards und Walter Bittner mit electronics & drums kommen symbiotisch daher. Intimer Schmeicheljazz wechselt sich ab mit tanzbaren House Tracks, Mischungen aus Vergangenheit und Gegenwart, Elektronik und Akustik entstehen. Wundervoll authentisch, wundervoll klar und immer emotional auf den Punkt gebracht. Im Sommer 2010 war das Trio Summertime Opium für das Goethe-Institut auf Griechenland Tournee, so war es Sonntagabend bestens eingespielt. Durch und durch spürbar. Michael Hornstein, mit dem Track „Carma“ auf der renommierten Compilation “Cafe del Mar” vertreten, gehört durch diesen Titel zu den heute weltweit am meisten gehörten Saxophonisten. Allerdings. Zusammen mit seinen beiden Begleitern entstand ein perfekter Abend. Jazz as Jazz can.


Urbaner Sound in rustikaler Stube

Chiemgauer Zeitung 12-1-2010

Pittenhart. „Das nächste Stück heißt ,Traffic‘. Also Verkehr. Wer da nicht an Autos denkt, ist selber schuld.“ Grundstimmung: Was soll’s? Wahrscheinlich wird deshalb auch im „Traffic“-Hintergrund die Basslinie von Miles Davis‘ „So What“ gespielt. Entspannt. Der Chill-out-Faktor wäre nur noch zu toppen, wenn das Projekt Westend statt im Hilgerhof im Wohnzimmer spielen würde. Ein exklusives Konzert im exklusiven Rahmen.

Der Kontrast könnte faszinierender und spannender nicht sein. Urbaner Sound in rustikaler Gaststube, Lounge trifft auf Bauernkammer. Passt nicht? Passt doch. Michael Hornstein (Saxofon), Walter Lang (Fender Rhodes) und Walter Bittner (Schlagzeug, Live Electronics) sind die Grenzen des Mainstream-Jazz zu eng – und damit beweisen sie sich als wahre Jazzer. Sie suchen Neuland nicht nur, sie finden es auch. Bittner kombiniert differenzierte Beckensounds, feinfühlige Beseneinsätze und elektronische Soundfiles zu einem subtilen Rhythmusteppich, mehr noch: zu einem im harmonischen Gefüge unabdingbaren Bestandteilder komplexen und doch eingängigen Stücke Hornsteins. Bittner bildet nicht nur Fundament, sondern Zentrum der Kompositionen. Sein Timing – überragend. Wenn er Straßengeräusche aus Bogotá einspielt und dann mit dem Schlagzeugspiel einsetzt, dann hat das Studio-Qualität. Da gibt’s kein Vertun.

Der charakteristische, unverwechselbare, glockenähnliche Rhodes-Klang ist derzeit in NuJazz-Produktionen sehr gefragt – für die Hornstein-Kompositionen scheint er unverzichtbar. Vor allem wenn Lang am E-Piano sitzt. Der hat eingefahrene Gleise längst verlassen. Wenn er sie überhaupt mal befahren hat. Nichts für Puristen, wobei sich die Frage stellt, ob der Jazz für Puristen überhaupt musikalische Heimat sein kann. Jazz war immer dann lebendig, wenn er Grenzen überschritten, wenn er andere Stile integriert hat. Lang jedenfalls scheint seinen Spaß an Musik zu haben, das es nie ins American Songbook schaffen würde. Ein Glück für seine Zuhörer, Pech fürs Songbook.

Hornstein ist ein Meister am Saxofon und ein Meister in der Kunst des Weglassens. Wo andere vier Töne blasen, benötigt er einen einzigen, langen – und schafft so eine glasklare Atmosphäre. Er verkünstelt sich nicht, hat es nicht nötig, seine Virtuosität durch unnötige Tonkaskaden zu beweisen. Er reduziert, und das, was übrig bleibt, sitzt hundertprozentig. Es gibt keine barocken Schnörkel, nichts Übergewichtiges. Übrig bleibt die schiere Melodie. Doch die hat’s immer noch in sich. Hornstein hält die Spannung, auch wenn seine Stücke noch so entspannt daherzukommen scheinen. Sie bewegen sich zwischen meditativer Ästhetik und explosiver Expressivität.

Auch die Klassiker, die das Trio im Repertoire hat, entbinden die Musiker von allen überkommenen Hörgewohnheiten. Eine ganze CD – „Summertime Opium“ – haben Hornstein, Lang und Bittner mit Standards eingespielt, die sich derart in den Gehörgängen eingebrannt haben, dass sie schon keiner mehr hören kann. Doch wenn sie durch die Hände des Trios gegangen sind, dann ist jedes Staubkorn weggeblasen. Ein Rhythmuswechsel hier, eine andere Tonart da, und schon erstrahlt das Meisterwerk in neuer, alter Frische – egal ob „Take Five“, „Summertime“ oder „Pink Panther Theme“.

Diese drei Ausnahmeinstrumentalisten in einem Trio vereint zu hören kann nur eines bewirken: den totalen Klanggenuss. Egal, ob man das Jazz, NuJazz, Lounge-Jazz oder Chillout bezeichnet. Schubladen sind die Sache der Drei nicht. Spannend entspannen, ohne Scheuklappen den Blick auf aktuelle Musikrichtungen richten, das ermöglicht Hornsteins Trio den Zuhörern.

Da laufen Filme ab, wenn Hornstein & Co. spielen, Straßenszenen, Schneefall in New York, bunter Trubel auf Bogotás Straßen – und das alles bei minus vier Grad in der Nähe von Pittenhart, bei flackerndem Feuer im offenen Kamin. Der Hilgerhof hat sich zur Bühne für außergewöhnliche Musikerlebnisse entwickelt.
Von Andreas Falkinger

Musikalischer Grenzgang auf dem Saxophon

 Die zeitliche, räumliche und musikalische Dimension des Jazzcenters hat sich immens erweitert. Diesen elementaren Durchbruch schafften Michael Hornstein (Saxophon), Walter Lang (Fender Rhodes), Walter Bittner (Drums) und Manolo Diaz (Bass) in knapp zwei Stunden.
Geschmeidig schleicht „Pink Panther“ Augen funkelnd durch den Club, mit virtuosem Saxophon-Solo Michael Hornsteins in kongenialem Dialog mit Walter Lang am Fender Rhodes-Piano. „Wir spielen Stücke, die die meisten Jazzmusiker nicht mehr spielen, weil sie zu abgenutzt sind“, moderiert Hornstein an und unwillkürlich denkt man, das kann ja ein heiterer Abend werden. Doch dann erklingt erst mal Walter Bittners geheimnisvolle Maschine auf dem Bügelbrett. Der Schlagwerker holt Ton-Versatzstücke aus 100 Jahren Jazzgeschichte aus dem Laptop, klöppelt zuerst vorsichtig, schließlich knackig über die Sounds drüber, lädt Sax, Piano und Bass zum Mitspielen ein, bis das präsente Spiel die digitale Konserve unmerklich ablöst. So verschwimmt die Grenze zwischen Elektronik und Akustik, zwischen Vergangenheit und Gegenwart, stets angenehm groovend, sympathisch unprätenziös. „Round about Midnight“ von Thelonious Monk vertieft die balladisch verträumte Club-Atmosphäre. Leitmotivisch strahlt stets Hornsteins unaufdringlicher Sax-Klang, von Walter Langs Pianospiel wie mit glitzernd melodischen Perlenschnüren umschlungen. „Take Five“ swingt romantisch und man fragt sich, ob das wirklich der abgenudelte Hitparaden-Titel ist: Genau darin steckt das unerhörte Genialitäts-Potenzial der Band, dass sie Cover-Versionen zu erstaunlich eigenständigen Originals stilisiert. Von seinen Reisen quer über den Globus hat Hornstein „Besame mucho“ mitgebracht. Der Gassenhauer wird salonfähig, ist an Empathie und Sax-Sonorität nicht zu überbieten - geradezu konzertant der Bass-Chorus von Manolo Diaz, der auch gerne mal auf verschiedene Körperstellen seines Instruments gefühlvoll trommelt.
Die Band überschreitet die Tellerränder der Musikrichtungen, die Grenzen der Instrumente, die Sessions-Verklemmtheit der Jazz-Standards, erhöht im rauchfreien Jazzclub den gesunden musikalischen Anteil an der Atemluft enorm.
Benno Kreuzmair, Mittelbayerische Zeitung, 20.4.2009

"Es wird immer wunderbare Musik, welcher Titel auch immer den Anlass dazu gibt. Entscheidend ist, dass Michael Hornstein das Saxophon bläst und Peter Bockius den Kontrabass zupft und streicht. Immer wieder gelingt es dem Duo, diesen Eindruck der Einmaligkeit zu vermitteln... Von der grandiosen Beherrschung der Instrumente ganz abgesehen – war hier doch jeder einzelne Ton in transparenter Nacktheit exponiert. Diese kammermusikalische Klarheit, wie sie in der Klassik zu Hause ist, fordert höchste Präzision. Aber für Hornstein wie Bockius gibt es ohnehin keine falschen Töne, sondern lediglich überraschende Situationen, aus denen es spannende Figurationen zu gewinnen gilt. Und selbst in den Momenten spontaner Einfälle, die der Musik des Duos gerade die mitreißende Frische verleihen, aber auch zu heiklen Konstellationen führen können, fanden sich großartige Auflösungen... Ein derart unmittelbares Erlebnis des Jazz hat eine besondere Qualität, die aber nur die versiertesten Musiker in solch einer schlüssigen Form zu bewältigen vermögen. Eben auch Hornstein und Bockius. Viel Applaus."
Reinhard Palmer, SZ 7.10.2006

„Eine ganz eigene Atmosphäre auf der Bühne zu schaffen, das vermag ein zierlicher, jungenhaft wirkender Saxophonist, der wahrscheinlich einer der größten zeitgenössischen Musiker unserer Epoche ist. Der 40-jährige Michael Hornstein spielte am Samstag eine geniale Nachtsession beim Gräfelfinger Kulturfest. Eine Nummer von mehr als einer halben Stunde zum Auftakt schaffte es das durch Alkohol und Müdigkeit angeschlagene Publikum im großen Festivalzelt wieder auf die Beine zu bringen. Nach wenigen Minuten tanzten einige, nach 30 Minuten ganze Massen vor der Bühne. "Jazz Orange" hieß die zweistündige Performance. So individuell wie Hornsteins Musik und Interpretationen sind, so individuell ließ es sich auch auf seine Klänge tanzen. Mit seinen drei Musikern schaffte er auf scheinbar lässige Art ein Zusammenspiel, wonach mach anderer Musiker krampfhaft trachtet. Viel Freiheit für die eigene Linie gab er beispielsweise seinem Percussionisten "Mister M. C."; Hornstein blieb mit seinem Altsaxophon teilweise bescheiden im Hintergrund - er kann es sich leisten, seine Musiker hervorzuheben, denn wenn er zum Sax greift, dann gibt es für einen Saxophonfan ohnehin nur noch seinen Sound. Lebendige zeitgenössische Interpretationen beispielsweise zu"Fly me to the moon"; öffnen durch ihre präzise Intonierung und mit ihren überraschenden Gags die Denkstruktur des klassischen Jazz. Hornsteins funky elektro jazz lebt vom groove, vom Kribbeln im Bauch, den sein eigenwilliger Sound erzeugt. Er selbst bewegt sich auf der Bühne mit tänzerischen Bewegungen. Jeder der Musiker in der Band ist ein extremer Individualist aber Hornstein führt sie im entscheidenden Moment auf eine Linie zusammen. Konzeptionelle Klarheit existiert neben ausschweifenden Interpretationen. Es hätte noch bis früh in den Morgen so weitergehen können, doch die Polizeistunde machte weit nach Mitternacht dem Konzert ein Ende."
Gabriele Felix, SZ 2002

Jugoslavientournee mit Jazz On Mars 2000

Konzert für Altsaxofon und Stille
"... einer der herausragendsten Vertreter des modernen europäischen Jazz, Michael Hornstein, verbindet mit „Jazz on Mars“ seine Fähigkeiten als Improvisator, Saxofonist, Filmkomponist, Produzent elektronischer Musik, Entertainer ... meisterhafter Umgang mit Stille, Pausen und den Nebengeräuschen im und vor dem „Klub M“ ... unverwechselbarer  persönlicher Saxofonklang, bis in einzelne Phrasen hinein changierend von tiefer Verletzbarkeit bis hin zu archaischer Gewalttätigkeit ... jedes Stück erzählt eine ganz eigene Geschichte ... eine auf einer körperlichen Ebene wirksame und angenehme Musik ...“
G. Iejanovic in Narodne Novine, Nis 19.9.2000

Magische Momente im Ethnographischen Museum
„ ... Hornstein präsentierte sich mit einer einzigartigen Mischung aus improvisierter Musik, Filmmusik, minimal music, ambient und zeitgenössischem Jazz ... ein außergewöhnlicher Liveact, der einen Film im Kopf des Zuhörers erzeugt ... eine Bandbreite vom minimalistischen Spiel nur auf dem Mundstück des Saxofons bis hin zu brillanten virtuosen Kaskaden und „Sheets of sounds“, in der Tradition John Coltranes. Raffiniert kombiniert mit unterschiedlichen elektronischen Backgroundsounds ... Hornstein schuf mit fast schon meditativer Eindringlichkeit eine elektrisch aufgeladene Spannung ... magische Momente mit einer Musik „nicht von dieser Welt“
Dnevni Telegraf, Belgrad 23.9.2000

Im Zeichen des Feiernden
„ ... der Auftritt des unter anderem durch seine Zusammenarbeit mit Gary Peacock international renommierten deutschen Altsaxofonisten Michael Hornstein war einer der Höhepunkte des diesjährigen Festivals für improvisierte Musik in Kanjiza. Michael Hornstein wurde seinem Ruf als routinierter Improvisator gerecht. Zuerst spielte er mit dem Percussionisten Geroly Tamas ein Duo, was man am ehesten noch als Ethnojazz bezeichnen könnte. Danach gab es, durch den Bassisten Mezey Szrilard zum Trio erweitert, einen beeindruckenden kollektiven improvisatorischen Höhenflug. Zum Abschluß begegneten sich dann Michael Hornstein und die Jazzlegende Mal Waldron erst mit professioneller Gelassenheit, dann aber mit sich scheinbar endlos steigernden spirituellen Intensität auf höchstem Energieniveau... Begegnungen  zwischen Kulturen und Generationen, ganz im ursprünglichsten Sinn dieses Festivals.“
Slobodan Arandelovic in Danas, Belgrad 21.9.2000)

Mexico Kuba Tournee 1999

"... ein einzigartiges Erlebnis...wunderbar ausgeglichene Mischung aus Eigenkompositionen und meisterhaften Improvisationen...traumhaft  ausbalanciert..."
Uno mas uno, mexicó city, 28.4.99

"...der unbestrittene Höhepunkt des diesjährigen Eurojazzfestivals war der Auftritt des new trio. Mit seiner fragilen,verletzlichen Musik gelang es dem Trio das Publikum vollkommen in seinen Bann zu ziehen... die drei Musiker verschmelzen zu einem homogenen Klangkörper...beherrschen die Kunst der Pause perfekt... es entstehen solos, duos, trios, fließende Wellen von Sounds, Musik von eigenartiger betörender Schönheit..."
La Jornada, mexicó city, 29.4.99...

"Bei ihrem Konzert im Cultural Cabanas am 22.4.99 stellten die drei Mitglieder des new trio eindrucksvoll unter Beweis, warum sie zu den wichtigsten Vertretern der jungen Musikszene in Deutschland gezählt werden. In der ungewöhnlichen Besetzung: Gitarre, Altsaxophon und Piano machen sie mit ihren Eigenkompositionen das fast Unmögliche möglich: Eine eigene, bisher ungehörte Musik ... ein unvergesslicher Abend, der lange nachklingt..."
Público, Guadalajara, 24.4.99