Urbaner Sound in rustikaler Stube
Von Andreas Falkinger,
Chiemgauer Zeitung 12-1-2010
Pittenhart. „Das nächste Stück heißt ,Traffic‘. Also Verkehr. Wer da nicht an Autos denkt, ist selber schuld.“ Grundstimmung: Was soll’s? Wahrscheinlich wird deshalb auch im „Traffic“-Hintergrund die Basslinie von Miles Davis‘ „So What“ gespielt. Entspannt. Der Chill-out-Faktor wäre nur noch zu toppen, wenn das Projekt Westend statt im Hilgerhof im Wohnzimmer spielen würde. Ein exklusives Konzert im exklusiven Rahmen.
Der Kontrast könnte faszinierender und spannender nicht sein. Urbaner Sound in rustikaler Gaststube, Lounge trifft auf Bauernkammer. Passt nicht? Passt doch. Michael Hornstein (Saxofon), Walter Lang (Fender Rhodes) und Walter Bittner (Schlagzeug, Live Electronics) sind die Grenzen des Mainstream-Jazz zu eng – und damit beweisen sie sich als wahre Jazzer. Sie suchen Neuland nicht nur, sie finden es auch. Bittner kombiniert differenzierte Beckensounds, feinfühlige Beseneinsätze und elektronische Soundfiles zu einem subtilen Rhythmusteppich, mehr noch: zu einem im harmonischen Gefüge unabdingbaren Bestandteilder komplexen und doch eingängigen Stücke Hornsteins. Bittner bildet nicht nur Fundament, sondern Zentrum der Kompositionen. Sein Timing – überragend. Wenn er Straßengeräusche aus Bogotá einspielt und dann mit dem Schlagzeugspiel einsetzt, dann hat das Studio-Qualität. Da gibt’s kein Vertun.
Der charakteristische, unverwechselbare, glockenähnliche Rhodes-Klang ist derzeit in NuJazz-Produktionen sehr gefragt – für die Hornstein-Kompositionen scheint er unverzichtbar. Vor allem wenn Lang am E-Piano sitzt. Der hat eingefahrene Gleise längst verlassen. Wenn er sie überhaupt mal befahren hat. Nichts für Puristen, wobei sich die Frage stellt, ob der Jazz für Puristen überhaupt musikalische Heimat sein kann. Jazz war immer dann lebendig, wenn er Grenzen überschritten, wenn er andere Stile integriert hat. Lang jedenfalls scheint seinen Spaß an Musik zu haben, das es nie ins American Songbook schaffen würde. Ein Glück für seine Zuhörer, Pech fürs Songbook.
Hornstein ist ein Meister am Saxofon und ein Meister in der Kunst des Weglassens. Wo andere vier Töne blasen, benötigt er einen einzigen, langen – und schafft so eine glasklare Atmosphäre. Er verkünstelt sich nicht, hat es nicht nötig, seine Virtuosität durch unnötige Tonkaskaden zu beweisen. Er reduziert, und das, was übrig bleibt, sitzt hundertprozentig. Es gibt keine barocken Schnörkel, nichts Übergewichtiges. Übrig bleibt die schiere Melodie. Doch die hat’s immer noch in sich. Hornstein hält die Spannung, auch wenn seine Stücke noch so entspannt daherzukommen scheinen. Sie bewegen sich zwischen meditativer Ästhetik und explosiver Expressivität.
Auch die Klassiker, die das Trio im Repertoire hat, entbinden die Musiker von allen überkommenen Hörgewohnheiten. Eine ganze CD – „Summertime Opium“ – haben Hornstein, Lang und Bittner mit Standards eingespielt, die sich derart in den Gehörgängen eingebrannt haben, dass sie schon keiner mehr hören kann. Doch wenn sie durch die Hände des Trios gegangen sind, dann ist jedes Staubkorn weggeblasen. Ein Rhythmuswechsel hier, eine andere Tonart da, und schon erstrahlt das Meisterwerk in neuer, alter Frische – egal ob „Take Five“, „Summertime“ oder „Pink Panther Theme“.
Diese drei Ausnahmeinstrumentalisten in einem Trio vereint zu hören kann nur eines bewirken: den totalen Klanggenuss. Egal, ob man das Jazz, NuJazz, Lounge-Jazz oder Chillout bezeichnet. Schubladen sind die Sache der Drei nicht. Spannend entspannen, ohne Scheuklappen den Blick auf aktuelle Musikrichtungen richten, das ermöglicht Hornsteins Trio den Zuhörern.
Da laufen Filme ab, wenn Hornstein & Co. spielen, Straßenszenen, Schneefall in New York, bunter Trubel auf Bogotás Straßen – und das alles bei minus vier Grad in der Nähe von Pittenhart, bei flackerndem Feuer im offenen Kamin. Der Hilgerhof hat sich zur Bühne für außergewöhnliche Musikerlebnisse entwickelt.
Musikalischer Grenzgang auf dem Saxophon
ABENSBERG 20-4-2009
Die zeitliche, räumliche und musikalische Dimension des Jazzcenters hat sich immens erweitert. Diesen elementaren Durchbruch schafften Michael Hornstein (Saxophon), Walter Lang (Fender Rhodes), Walter Bittner (Drums) und Manolo Diaz (Bass) in knapp zwei Stunden.
Geschmeidig schleicht „Pink Panther“ Augen funkelnd durch den Club, mit virtuosem Saxophon-Solo Michael Hornsteins in kongenialem Dialog mit Walter Lang am Fender Rhodes-Piano. „Wir spielen Stücke, die die meisten Jazzmusiker nicht mehr spielen, weil sie zu abgenutzt sind“, moderiert Hornstein an und unwillkürlich denkt man, das kann ja ein heiterer Abend werden. Doch dann erklingt erst mal Walter Bittners geheimnisvolle Maschine auf dem Bügelbrett. Der Schlagwerker holt Ton-Versatzstücke aus 100 Jahren Jazzgeschichte aus dem Laptop, klöppelt zuerst vorsichtig, schließlich knackig über die Sounds drüber, lädt Sax, Piano und Bass zum Mitspielen ein, bis das präsente Spiel die digitale Konserve unmerklich ablöst. So verschwimmt die Grenze zwischen Elektronik und Akustik, zwischen Vergangenheit und Gegenwart, stets angenehm groovend, sympathisch unprätenziös. „Round about Midnight“ von Thelonious Monk vertieft die balladisch verträumte Club-Atmosphäre. Leitmotivisch strahlt stets Hornsteins unaufdringlicher Sax-Klang, von Walter Langs Pianospiel wie mit glitzernd melodischen Perlenschnüren umschlungen. „Take Five“ swingt romantisch und man fragt sich, ob das wirklich der abgenudelte Hitparaden-Titel ist: Genau darin steckt das unerhörte Genialitäts-Potenzial der Band, dass sie Cover-Versionen zu erstaunlich eigenständigen Originals stilisiert. Von seinen Reisen quer über den Globus hat Hornstein „Besame mucho“ mitgebracht. Der Gassenhauer wird salonfähig, ist an Empathie und Sax-Sonorität nicht zu überbieten - geradezu konzertant der Bass-Chorus von Manolo Diaz, der auch gerne mal auf verschiedene Körperstellen seines Instruments gefühlvoll trommelt.
Die Band überschreitet die Tellerränder der Musikrichtungen, die Grenzen der Instrumente, die Sessions-Verklemmtheit der Jazz-Standards, erhöht im rauchfreien Jazzclub den gesunden musikalischen Anteil an der Atemluft enorm.
Benno Kreuzmair, Mittelbayerische Zeitung, 20-4-2009
"Es
wird immer wunderbare Musik, welcher Titel auch immer den Anlass dazu
gibt. Entscheidend ist, dass Michael Hornstein das Saxophon bläst und
Peter Bockius den Kontrabass zupft und streicht. Immer wieder
gelingt es dem Duo, diesen Eindruck der Einmaligkeit zu vermitteln...
Von der grandiosen Beherrschung der Instrumente ganz abgesehen – war
hier doch jeder einzelne Ton in transparenter Nacktheit exponiert.
Diese kammermusikalische Klarheit, wie sie in der Klassik zu Hause ist,
fordert höchste Präzision. Aber für Hornstein wie Bockius gibt es
ohnehin keine falschen Töne, sondern lediglich überraschende
Situationen, aus denen es spannende Figurationen zu gewinnen gilt. Und
selbst in den Momenten spontaner Einfälle, die der Musik des Duos
gerade die mitreißende Frische verleihen, aber auch zu heiklen
Konstellationen führen können, fanden sich großartige Auflösungen...
Ein derart unmittelbares Erlebnis des Jazz hat eine besondere Qualität,
die aber nur die versiertesten Musiker in solch einer schlüssigen Form
zu bewältigen vermögen. Eben auch Hornstein und Bockius. Viel Applaus."
Reinhard Palmer, SZ 7.10.2006
„Eine ganz eigene Atmosphäre auf
der Bühne zu schaffen, das vermag ein zierlicher, jungenhaft wirkender
Saxophonist, der wahrscheinlich einer der größten zeitgenössischen
Musiker unserer Epoche ist. Der 40-jährige Michael Hornstein spielte am
Samstag eine geniale Nachtsession beim Gräfelfinger Kulturfest. Eine
Nummer von mehr als einer halben Stunde zum Auftakt schaffte es das
durch Alkohol und Müdigkeit angeschlagene Publikum im großen
Festivalzelt wieder auf die Beine zu bringen. Nach wenigen Minuten
tanzten einige, nach 30 Minuten ganze Massen vor der Bühne. "Jazz
Orange" hieß die zweistündige Performance. So individuell wie
Hornsteins Musik und Interpretationen sind, so individuell ließ es sich
auch auf seine Klänge tanzen. Mit seinen drei Musikern schaffte er auf
scheinbar lässige Art ein Zusammenspiel, wonach mach anderer Musiker
krampfhaft trachtet. Viel Freiheit für die eigene Linie gab er
beispielsweise seinem Percussionisten "Mister M. C."; Hornstein blieb
mit seinem Altsaxophon teilweise bescheiden im Hintergrund - er kann es
sich leisten, seine Musiker hervorzuheben, denn wenn er zum Sax greift,
dann gibt es für einen Saxophonfan ohnehin nur noch seinen Sound.
Lebendige zeitgenössische Interpretationen beispielsweise zu"Fly me to
the moon"; öffnen durch ihre präzise Intonierung und mit ihren
überraschenden Gags die Denkstruktur des klassischen Jazz. Hornsteins
funky elektro jazz lebt vom groove, vom Kribbeln im Bauch, den sein
eigenwilliger Sound erzeugt. Er selbst bewegt sich auf der Bühne mit
tänzerischen Bewegungen. Jeder der Musiker in der Band ist ein extremer
Individualist aber Hornstein führt sie im entscheidenden Moment auf
eine Linie zusammen. Konzeptionelle Klarheit existiert neben
ausschweifenden Interpretationen. Es hätte noch bis früh in den Morgen
so weitergehen können, doch die Polizeistunde machte weit nach
Mitternacht dem Konzert ein Ende."
Gabriele Felix, Süddeutsche Zeitung 2002
Jugoslavientournee mit Jazz On Mars 2000
Konzert für Altsaxofon und Stille
"... einer der herausragendsten Vertreter des modernen europäischen
Jazz, Michael Hornstein, verbindet mit „Jazz on Mars“ seine Fähigkeiten
als Improvisator, Saxofonist, Filmkomponist, Produzent elektronischer
Musik, Entertainer ... meisterhafter Umgang mit Stille, Pausen und den
Nebengeräuschen im und vor dem „Klub M“ ... unverwechselbarer
persönlicher Saxofonklang, bis in einzelne Phrasen hinein changierend
von tiefer Verletzbarkeit bis hin zu archaischer Gewalttätigkeit ...
jedes Stück erzählt eine ganz eigene Geschichte ... eine auf einer
körperlichen Ebene wirksame und angenehme Musik ...“
G. Iejanovic in
Narodne Novine, Nis 19.9.2000
Magische Momente im Ethnographischen Museum
„
... Hornstein präsentierte sich mit einer einzigartigen Mischung aus
improvisierter Musik, Filmmusik, minimal music, ambient und
zeitgenössischem Jazz ... ein außergewöhnlicher Liveact, der einen Film
im Kopf des Zuhörers erzeugt ... eine Bandbreite vom minimalistischen
Spiel nur auf dem Mundstück des Saxofons bis hin zu brillanten
virtuosen Kaskaden und „Sheets of sounds“, in der Tradition John
Coltranes. Raffiniert kombiniert mit unterschiedlichen elektronischen
Backgroundsounds ... Hornstein schuf mit fast schon meditativer
Eindringlichkeit eine elektrisch aufgeladene Spannung ... magische
Momente mit einer Musik „nicht von dieser Welt“
Dnevni Telegraf,
Belgrad 23.9.2000
Im Zeichen des Feiernden
„ ... der
Auftritt des unter anderem durch seine Zusammenarbeit mit Gary Peacock
international renommierten deutschen Altsaxofonisten Michael Hornstein
war einer der Höhepunkte des diesjährigen Festivals für improvisierte
Musik in Kanjiza. Michael Hornstein wurde seinem Ruf als routinierter
Improvisator gerecht. Zuerst spielte er mit dem Percussionisten Geroly
Tamas ein Duo, was man am ehesten noch als Ethnojazz bezeichnen könnte.
Danach gab es, durch den Bassisten Mezey Szrilard zum Trio erweitert,
einen beeindruckenden kollektiven improvisatorischen Höhenflug. Zum
Abschluß begegneten sich dann Michael Hornstein und die Jazzlegende Mal
Waldron erst mit professioneller Gelassenheit, dann aber mit sich
scheinbar endlos steigernden spirituellen Intensität auf höchstem
Energieniveau... Begegnungen zwischen Kulturen und Generationen, ganz
im ursprünglichsten Sinn dieses Festivals.“
Slobodan Arandelovic in
Danas, Belgrad 21.9.2000)
Mexico Kuba Tournee 1999
"...
ein einzigartiges Erlebnis...wunderbar ausgeglichene Mischung aus
Eigenkompositionen und meisterhaften Improvisationen...traumhaft
ausbalanciert..."
Uno mas uno, mexicó city, 28.4.99
"...der
unbestrittene Höhepunkt des diesjährigen Eurojazzfestivals war der
Auftritt des new trio. Mit seiner fragilen,verletzlichen Musik gelang
es dem Trio das Publikum vollkommen in seinen Bann zu ziehen... die
drei Musiker verschmelzen zu einem homogenen Klangkörper...beherrschen
die Kunst der Pause perfekt... es entstehen solos, duos, trios,
fließende Wellen von Sounds, Musik von eigenartiger betörender
Schönheit..."
La Jornada, mexicó city, 29.4.99...
"Bei ihrem
Konzert im Cultural Cabanas am 22.4.99 stellten die drei Mitglieder des
new trio eindrucksvoll unter Beweis, warum sie zu den wichtigsten
Vertretern der jungen Musikszene in Deutschland gezählt werden. In der
ungewöhnlichen Besetzung: Gitarre, Altsaxophon und Piano machen sie mit
ihren Eigenkompositionen das fast Unmögliche möglich: Eine eigene,
bisher ungehörte Musik ... ein unvergesslicher Abend, der lange
nachklingt..."
Público, Guadalajara, 24.4.99